sandsim

Ich habe mir einen kinetischen Sandtisch gebaut. Das ist ein Glastisch, bei dem unter dem Glas Sand liegt und unter dem Sand zwei Schrittmotoren einen Magneten bewegen. Der Magnet zieht eine Kugel an, die dann Muster in den Sand zieht. Das ganze ist meiner Meinung nach sehr faszinierend und seitdem ich so etwas zuerst gesehen hatte, wollte ich selber einen bauen (Ich hatte dafür extra Schittmotoren von einem alten 3D Drucker zurückgelegt.)

Ein Parasaurolophus, gezeichnet von einer Kugel in Sand

Jetzt habe ich einen gebaut und zuzusehen ist genauso entspannend, wie ich es mir immer vorgestellt hatte.

Muster, die der Tisch zeichnet, müssen durchgehende Striche sein, ohne abzusetzen. Und wenn die Kugel zu nah an bestehenden Linien entlang läuft, schiebt sie den Sand in die zuvor geschaffene Mulde.

Ich habe natürlich gleich Claude beauftragt mir ein paar Motive zu erstellen, aber um einzuschätzen, ob es auf dem Tisch auch gut aussieht, reicht eine Strichzeichnung nicht. Und es erst im physischem Tisch zeichnen zu lassen, ist sehr zeitaufwendig und führt zu langen Iterationszeiten.

Die Lösung ist einfach: Wir simulieren wie die Kugel den Sand schiebt und wie der Sand von zu steilen Kanten hinabrieselt: surt91.github.io/sandsim. Genau das Sand-Modell, das im Kontext von self-organized Criticality berühmt geworden ist. Das Video oben ist übrigens so eine Simulation. Aber auf dem echten Tisch macht es noch mehr Spaß.

Schneckenkragen

Besonders in diesem Jahr, aber zumindest in meinem Garten jedes Jahr, sind Schnecken ein großes Problem für Hobbygärtner. Man setzt die liebevoll vorgezogenen Pflanzen von der Fenterbank in das Beet, nur um am nächsten Tag zu sehen, dass außer Schleimspuren nichts geblieben ist. Es gibt eine Reihe Hausmittel, die helfen sollen. Praktischerweise im Wikipedia-Artikel zur Schneckenbekämpfung zusammengefasst:

  • Bannkreise aus Eierschalen oder Kaffeepulver
  • Bierfallen, die alle Schnecken aus der Nachbarschaft einladen
  • Kupfer, das nicht nur für Schnecken giftig ist
  • Laufenten — immerhin werden die Pflanzen dann nicht mehr von Schnecken gefressen

Drei dieser vier Strategien haben außerdem den Nachteil, dass sie nicht nur die Wegschnecken bekämpfen, die für die meisten Fraßschäden verantwortlich sind, sondern alle Schnecken. Tatsächlich sind Schnecken mit Gehäuse keine Gefahr für die Nutzpflanzen — im Gegenteil: laut des Wikipedia-Artikels gibt es anscheindend eher den Zusammenhang, dass eine große Weinbergschneckenpopulation mit eher kleinen Populationen der schädlichen Wegschnecke korreliert ist. Und auch nicht alle Nacktschnecken sind schädlich! Meine Lieblingsnacktschnecke, der Tigerschnegel, frisst nicht nur Schneckeneier, sondern sogar ausgewachsene Exemplare.

Der Schneckenkragen

In meinem Garten hat sich der Schneckenkragen bewährt. Das ist ein hohler Zylinder mit Widerhaken nach außen. Einfacher an einem Bild zu zeigen als zu beschreiben.

Schneckenkragen

Dort, wo die 3D-gedruckte Schnecke abgebildet ist, sollte keine Schnecke mehr hingelangen können.

Man steckt ihn einfach mit einer leicht drehenden Bewegung etwa 2 cm tief in den Boden.

Dabei ist unbedingt zu beachten, dass andere Pflanzen nicht zu dicht am Kragen stehen dürfen, da die Schnecken sie ansonsten als Brücken nutzen können.

Und natürlich sollte man sicherstellen, dass sich keine Schnecke im Inneren des Schneckenkragens befindet. Sie verstecken sich gerne unter Steinchen oder Ästen. Am besten lockert man den Boden innerhalb des Scheckenkragens daher einmal auf und befördert dabei zutage tretende Schnecken heraus.

Auch wenn man alles beachtet, kann es sein, dass in der Erde noch Schneckeneier sind, die innerhalb des Kragens schlüpfen.

Man muss also dennoch regelmäßig nachschauen. Aber zumindest in meinem Garten, ist der Unterschied zwischen geschützten und ungeschützten Pflanzen gewaltig.

Die Funktionsweise ist anscheinend nicht ganz klar. Erklärungsansätze, die ich finden konnte, sind, dass der Wechsel von „senkrecht nach oben“ zu „45° nach unten“ nicht im Verhaltensrepertoire von Schnecken enthalten ist. Und dass der Kragen dazu führt, dass die Schnecken auf dem Weg nach oben den Geruch der Pflanzen verlieren und dann verwirrt wieder nach unten kriechen.

Upgrade

Nach meinen (leidvollen) Erfahrungen finden in besonders schneckenreichen Beeten bei feuchtem Wetter einige Schnecken dennoch in den Kragen. Das scheint daran zu liegen, dass sich Schnecken in den Knick verkriechen. Von da aus kriechen sie dann später in eine zufällige Richtung — entweder in den Kragen hinein oder wieder herunter. Zumindest vermute ich, dass dies der Mechanismus ist.

Schnecken im Knick des Kragens

Wenn die Annahme richtig ist, müssen wir also nur verhindern, dass die Schnecken es sich in dem Knick gemütlich machen. In der Einleitung hatte ich kurz erwähnt, dass Schnecken Kupfer vermeiden, denn Kupfer ist giftig für Weichtiere (sowie Einzeller und viele Wassertiere). Der Mechanismus ist anscheinend, dass Schneckenschleim leicht sauer ist und bei Kontakt leicht Kupferionen löst, die für die Schnecke giftig und unangenehm sind. Dafür muss die Schnecke allerdings ausreichend lange Kontakt mit dem Kupfer haben, sodass ein Kupferdraht, der um das Beet liegt, keine Schnecken abschreckt.

Wir können aber das Kupfer nutzen, um die Schnecken davon abzuhalten, sich in dem Knick aufzuhalten, indem wir einen Streifen Kupferfolie möglichst weit oben um den Kragen kleben. Gleichzeitig ist das Kupfer dort unter dem „Dach“ vor Regen geschützt, sodass die Exposition der Umgebung minimiert wird.

Schneckenkragen mit Kupferring

Upgrade 2 — Electric Boogaloo

Wenn dies immer noch nicht ausreicht, um die Pflanzen hinreichend zu schützen, gibt es noch die Möglichkeit den Kragen zu einem Elektrozaun zu modifizieren. Dazu klebt man zwei Streifen Kupferband um den Kragen, sodass sie sich nicht berühren und schließt sie an eine 9 V Batterie an. Um die 9 V Batterie zu halten, habe ich eine Variante des Kragens mit einer Halterung und einer Öffnung für die Kabel erstellt. Damit die Batterie nicht nass wird, sollte man die Oberseite der Öffnung mit Silikonkleber abdichten.

Schneckenkragen mit Batteriefach

Schneckenkragen mit Elektrozaun

Wenn Schnecken nun hochkriechen, schließen sie den Stromkreis und bekommen einen Stromschlag. In der Regel sollten sie sich zurückziehen oder betäubt werden und herunterfallen. Falls diese Methode zu lethal für die Schnecken ist, kann noch ein Widerstand in Reihe an einen der Pole gelötet werden.

Fertigung

Die Fertigung gelingt mit einem 3D-Drucker. Ich habe hierfür ein einfaches Modell designt. Leider benötigt ein hinreichend großer Schneckenkragen, der stabil genug ist, um ihn in den Boden drücken zu können, relativ viel Filament. Bei dem Filament sollte man darauf achten, dass es UV-beständig ist, wie PETG oder ASA. Das sorgt dafür, dass er in der Sonne nicht spröde wird und man ihn viele Jahre nutzen kann.

Osteralbtraum

Ostern ist ein Feiertag, dessen Zeitpunkt mit einer Regel festgelegt wird, die unnötig kompliziert scheint. Der erste Sonntag nach dem ersten Vollmond im Frühling. Den meisten bleibt da als Lösung nicht viel mehr übrig als in einem Kalender nachzusehen welches Datum es denn wohl ist und sich auf den Kalenderhersteller zu verlassen. Aber nicht mit mir! Ich werde es Big-Calendar zeigen und hier die geheime Formel veröffentlichen, mit der man das Osterdatum berechnet!

from datetime import date

def easter(year: int) -> date:
    y = year
    g = y % 19 + 1                    # golden number
    c = y // 100 + 1                  # century
    x = (3 * c) // 4 - 12             # correction: dropped leap years
    z = (8 * c + 5) // 25 - 5         # correction: synchronize with moon's orbit
    d = (5 * y) // 4 - x - 10         # find sunday
    e = (11 * g + 20 + z - x) % 30    # epact
    if e == 25 and g > 11 or e == 24:
        e += 1
    n = 44 - e                        # full moon in march
    if n < 21:
        n += 30
    n = n + 7 - (d + n) % 7           # advance to next sunday
    month, day = (4, n - 31) if n > 31 else (3, n)

    return date(year, month, day)

Mir persönlich gefällt besonders gut, dass jede Zeile schlimmer ist als die vorherige.

Dieser Algorithmus ist übrigens von Lilius und Clavius Ende des 16. Jahrunderts entwickelt worden. Ich bin durch eine Erwähnung in einer Übungsaufgabe in Donald Knuths The Art of Computer Programming 1 (Third edition, S. 159f) darauf gestoßen.